Märchen
zurück zur Übersicht

Pinocchio
von Carlo Collodi
Geppetto, so hieß einst ein alter armer Holzschnitzer, der wunderschönes Spielzeug erschuf.
Weit und breit gab es keinen so geschickten Schnitzer wie ihn.
Doch Geppetto fühlte sich einsam. Er war allein. Niemand, außer die Holzfiguren, die er schnitzte, begleitete sein Leben.
„Wie schade, dass mir kein Kind vergönnt war.“
Eines Tages schenkte ihm ein befreundeter Tischler ein außergewöhnlich schönes Stück Pinienholz. Er wusste sogleich: „Daraus schnitze ich eine wunderbare Marionette“.
Doch als er das Holz bearbeitete, begann es, mit ihm zu sprechen.
Geppetto erschrak. Der Schreck fuhr durch seinen gesamten Körper.
Als er Arme und Hände schnitzte, griffen sie in seine Haare.
Und als er das Gesicht mit den wunderschönen Augen von dem übrigen Holz befreite, da blinzelten sie ihn an, dass es sein altes gutes Herz erwärmte.
„Pinocchio“, flüsterte er. Und dann rief er seinen Namen so laut in die funkelnde Sternennacht hinaus, dass alle im Dorf ihn hören konnten.
„Ich nenne dich Pinocchio, Pinocchio.“ Geppetto konnte sein Glück kaum fassen. Nun hatte er seinen Jungen. Er war zwar aus Holz, aber er war sein Junge.
Doch kaum, dass sein Glück über die Lippen gesprungen war,
da sprang auch sein Pinocchio die Straße entlang und der alte Geppetto konnte ihm kaum folgen.
“Pinocchio, bleib hier, bleib hier, wo willst du nur hin?”, rief er.
Von nun an sollten viele Sorgen den guten Geppetto begleiten.
Sein geliebter Pinocchio erlebte unzählige gefährliche Abenteuer.
Er folgte der Katze und dem Fuchs in das Feld der Wunder,
begegnete dem Theaterdirektor Feuerfresser,
wurde hinter Gittern eingesperrt, aufgehängt – fast getötet,
und von der blauen Fee vor dem Tode gerettet, flog auf einer Taube, landete im Spielland, wo er sich in einen Esel verwandelte,
wurde von einem Seeungeheuer verschluckt
und begann das Lügen für sich zu finden. Und damit geschah es.
Alles begann mit einer kleinen Lüge.
Immer wenn er log, wurde Pinocchios Nase länger.
Länger und länger.
„Zu einem richtigen Jungen wirst du erst, wenn du aufrichtig, ehrlich und mutig bist. Du musst lernen, das Gute vom Bösen zu unterscheiden“, sprach Pinocchios stetige Beschützerin, die blaue Fee, zu dem hölzernen Knaben, der sich nichts mehr ersehnte, als ein richtiger Junge zu werden. Ein Junge aus Fleisch und Blut.
„Aber wie soll ich wissen, was richtig ist und was nicht?“
Du willst wissen, wie die Geschichte weitergeht? Die Abenteuer von Pinocchio wurden in vielen verschiedenen Fassungen veröffentlicht. Frag deine Freunde und Familie, ob sie Dir ihr Buch leihen, oder besuche Deine Stadtbibliothek bzw. den nächsten Buchladen. Es lohnt sich!
___________
Wusstest du eigentlich schon…?
„Pinocchio“ und „Buratino“? Die Figur der hölzernen Marionettenpuppe mit der langen Nase gibt es in Italien und ebenso auch in Russland. In Italien heißt die beliebte Kinderfigur Pinocchio – in Russland kennt man sie als Buratino.
Welche Figur war zuerst da?
Die ursprüngliche Fassung der Geschichte veröffentlichte der Italiener Carlo Lorenzini (Collodi) bereits von 1881-83 als Fortsetzungsroman in der Kinderzeitung Giornale per i bambini unter dem Titel Le Avventure Di Pinocchio: Storia Di Un Burattino.
Der Kinderroman „Der goldene Schlüssel oder Die Abenteuer von Buratino“ von 1936 ist eine freie Nacherzählung der Geschichte von Pinocchio durch den russischen Schriftsteller Alexei Nikolajewitsch Tolstoi.
Der Italiener Carlo Collodi (1826-1890) ist also der Erfinder der Holzpuppe Pinocchio! Collodi hieß eigentlich Carlo Lorenzini, nannte sich aber nach seinem Heimatdorf Collodi.
Er war Journalist und Schriftsteller. Erst mit 50 begann er seine Karriere als Kinderbuchautor und schrieb in einer Zeitschrift Kurzgeschichten über Pinocchio. 1883 erschienen sie als Buch, das später zu einem weltliterarischen Klassiker wurde. Den großen Erfolg seines Pinocchios erlebte Collodi leider nicht mehr.
Der Russe Alexej Nikolajewitsch Graf Tolstoi, 1883-1945, adaptierte Collodis Pinocchio. Der Sohn eines Offiziers gab 1907 sein Mathematik-Studium auf, um sich ganz der Literatur zu widmen.
Im 1. Weltkrieg war er Kriegsberichterstatter in England und Frankreich. Zurück in Russland schrieb er ab 1923 Gesellschaftsromane wie „Peter der Große“ und Dramen, für die er mehrfach den Stalinpreis erhielt.
1936 verfasste er „Die Abenteur des Buratino“.
Pinocchio ist weltweit bekannt
In über 100 Sprachen wurde die Geschichte der hölzernen Puppe namens Pinocchio übersetzt und in mehreren Filmen, u.a. von Walt Disney, erzählt.
„Pinocchio“ ist Italiens bekannteste Märchenfigur und nach der Bibel das meistgelesene Buch des Landes.